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Hanse Mondial
Illustration: Reisebus tankt an einer Zapfsäule mit grünem Blatt-Etikett

Busbranche

HVO100 für Reisebusse: Zulassung, Regelungen und Stand 2026

6 Min. Lesezeit Hanse Mondial

Frittenfett und Schlachtabfälle als Kraftstoff für den Reisebus. Klingt nach Experiment, ist aber seit Mai 2024 industrielle Realität an deutschen Tankstellen. HVO100 ist seit dem 29. Mai 2024 offiziell an deutschen Tankstellen erhältlich. Für Reisebusunternehmen gilt jedoch eine wichtige Einschränkung: Die volle Freigabe für gewerbliche Reise- und Fernbusflotten steht noch aus. Was der aktuelle Rechtsstand bedeutet, wie hoch die tatsächliche CO2-Einsparung ist und was sich bis Ende des Jahrzehnts ändern dürfte.

Was ist HVO100?

HVO100 (Hydrotreated Vegetable Oils) ist ein synthetischer Diesel-Ersatzkraftstoff, der durch Hydrierung von pflanzlichen Ölen, tierischen Fetten und biogenen Abfallstoffen wie gebrauchten Speiseölen hergestellt wird. Das Ergebnis ist ein paraffinischer Kohlenwasserstoff, der in Dieselmotoren ohne technische Umrüstung genutzt werden kann. An deutschen Tankstellen ist HVO100 unter der Bezeichnung XTL gekennzeichnet.

Entscheidend für die Busbranche: MAN, Volvo, Mercedes-Benz und die meisten anderen Nutzfahrzeughersteller haben ihre Dieselmotoren für HVO100 freigegeben, teils auch rückwirkend für Bestandsfahrzeuge. Das gilt für Reisebusse ab 33 Personen ebenso wie für kleinere Fahrzeuge.

Was hat die Zulassung vom Mai 2024 geändert?

Die Freigabe von HVO100 für den Verkauf an deutschen öffentlichen Tankstellen erfolgte durch eine Novellierung der 10. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV), die das Bundeskabinett am 10. April 2024 beschloss. Seit dem 29. Mai 2024 darf HVO100 als Reinkraftstoff (100 Prozent) an Tankstellen in Verkehr gebracht werden. Zuvor war nur eine Beimischung von maximal 26 Prozent zu fossilem Diesel erlaubt.

Die Anzahl der HVO100-Tankstellen in Deutschland ist seitdem schnell gewachsen: Im Frühjahr 2026 boten rund 400 Tankstellen in Deutschland reines HVO100 (XTL) an, über 2.000 weitere führen HVO-Gemische. Europaweit stehen bereits über 6.500 Tankstellen mit HVO100 zur Verfügung.

Warum dürfen Reisebusunternehmen HVO100 noch nicht regulär nutzen?

Das ist die für die Branche entscheidende Frage. Die Novellierung der 10. BImSchV erlaubt HVO100 an öffentlichen Tankstellen, schließt aber privatwirtschaftliche Reise- und Fernbusflotten von der vollen Nutzung im Rahmen der Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) aus. ÖPNV-Busse können HVO100 in bestimmten Fällen auf die THG-Quote anrechnen, private Reisebusunternehmen dagegen nicht. Das betrifft auch die nicht-öffentliche Tankinfrastruktur auf Betriebshöfen.

Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) hat gemeinsam mit rund 40 Partnern, darunter Fahrzeughersteller wie MAN und Volvo, eine Kampagne zur Freigabe von HVO100 für private Reisebusflotten gestartet. Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) hat signalisiert, diese Öffnung im Zuge der nächsten Novellierung der 10. BImSchV zu prüfen.

Ein Punkt, der regelmäßig für Verwirrung sorgt: Das physische Betanken eines Reisebusses mit XTL-Diesel an einer öffentlichen Tankstelle ist heute schon möglich. Die Einschränkung betrifft nicht den Betrieb des Fahrzeugs, sondern die regulatorische Anrechenbarkeit auf die THG-Quote.

Was kostet HVO100 aktuell?

HVO100 ist teurer als fossiler Diesel, der Aufschlag hat sich aber seit Markteinführung deutlich verringert. Im Frühjahr 2026 lag der Aufpreis je nach Anbieter und Region zwischen 8 und 20 Cent pro Liter. Zum Vergleich: Im Herbst 2025 betrug der Aufschlag noch 16 bis 19 Cent pro Liter.

Ein relevanter Faktor für die Kalkulation: HVO100 ist von der CO2-Abgabe befreit, die auf fossilen Diesel erhoben wird. 2026 beträgt diese Abgabe je nach aktuellem CO2-Zertifikatspreis etwa 17 bis 20 Cent pro Liter. Dadurch verringert sich der effektive Preisunterschied erheblich, insbesondere für Unternehmen, die CO2-Kosten in ihre Kalkulation einbeziehen.

Langfristig wird eine weitere Annäherung der Preise erwartet, da die Produktionskapazitäten für HVO steigen und fossiler Diesel durch die steigende CO2-Bepreisung kontinuierlich teurer wird.

Wie viel CO2 spart HVO100 wirklich ein?

HVO100 hat ein Treibhausgas-Einsparpotenzial von bis zu 90 Prozent gegenüber fossilem Diesel über den gesamten Lebenszyklusvergleich. Aktuell erreicht am Markt erhältliches HVO100 laut Bundesministerium für Verkehr eine THG-Einsparung von 87 Prozent. Diese hohe Einsparung ist auf die Verwendung von biogenen Abfall- und Reststoffen zurückzuführen, vor allem Altspeiseöle und tierische Fette.

Eine wichtige Einschränkung: Das Agora Institut für Verkehrswende hat darauf hingewiesen, dass die Systemebene differenzierter zu betrachten ist. Da dieselbe Menge HVO bisher als Beimischung in fossilem Diesel eingesetzt wurde, ergibt die Nutzung als HVO100 auf gesamtwirtschaftlicher Ebene zunächst keine zusätzliche CO2-Einsparung, solange die Gesamtproduktionsmenge konstant bleibt. Mit stetig steigender HVO-Produktionskapazität weltweit relativiert sich diese Kritik zunehmend.

Für einzelne Busunternehmen und ihre B2B-Kunden ist die Einzelfahrt-Bilanz jedoch klar: Eine Fahrt mit HVO100 verursacht bis zu 87 Prozent weniger CO2 als mit fossilem Diesel.

Seit 2023 ist Palmöl als Ausgangsstoff für HVO in Deutschland von der THG-Quote ausgeschlossen. Das am Markt erhältliche HVO100 basiert nach Angaben der Hersteller überwiegend auf Altspeiseölen und tierischen Fetten.

Welche Busse sind für HVO100 freigegeben?

Die meisten aktuellen Reisebus- und Stadtbusbaureihen sind von den Herstellern für HVO100 freigegeben. MAN und Volvo unterstützen die bdo-Kampagne zur Freigabe von HVO100 für private Busflotten explizit. Auch für ältere Dieselmotoren haben mehrere Hersteller rückwirkende Freigaben erteilt.

Konkret zu prüfen ist die Freigabe im Fahrzeughandbuch oder beim Hersteller, da die Freigabe motorenspezifisch ist und nicht pauschal für alle Baujahre gilt.

Wie geht es weiter: Ausblick bis 2030

Die Branche rechnet im Reisebussegment nicht vor Ende des Jahrzehnts mit einer nennenswerten Elektrifizierung. Für die Dekarbonisierung der Bestandsflotte gilt HVO100 deshalb als relevante Übergangsoption. Das BMDV hat die Prüfung einer erweiterten Freigabe für private Busflotten im Rahmen der nächsten 10. BImSchV-Novellierung zugesagt.

Parallel dazu werden die gesetzlichen CO2-Reduktionsziele für den Verkehrssektor verschärft: Der Sektor muss seinen CO2-Ausstoß bis 2030 gegenüber 2019 nahezu halbieren, von 164 auf 85 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente.

Für Auftraggeber von Busreisen bedeutet das: HVO100 wird mittelfristig ein Standard-Instrument im ESG-Reporting von Buslogistik-Dienstleistern werden, sobald die regulatorische Freigabe kommt. Wir beobachten die Entwicklung der 10. BImSchV-Novellierung für Dich und passen unsere Flottenstrategie an, sobald die Freigabe vorliegt. Als Busunternehmen mit Erfahrung in der Gruppenbeförderung informieren wir Dich, sobald HVO100 regulär für Deine Fahrten anrechenbar ist.

Häufige Fragen zu HVO100 und Reisebussen

Was ist HVO100 und wie unterscheidet es sich von Biodiesel?

HVO100 ist ein paraffinischer Kraftstoff, der durch Hydrierung biogener Öle und Fette entsteht. Anders als ältere Biodiesel-Typen (FAME) enthält HVO100 keinen Sauerstoff und keine Aromaten, verbrennt sauberer und ist vollständig mit fossilem Diesel mischbar. Es kann ohne Motorumrüstung eingesetzt werden.

Dürfen Reisebusunternehmen HVO100 tanken?

Das physische Betanken ist möglich. Die regulatorische Einschränkung betrifft die Anrechenbarkeit auf die Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) für private gewerbliche Reisebusflotten. Eine Kampagne des bdo mit rund 40 Partnern fordert die volle Freigabe durch eine Änderung der 10. BImSchV.

Wie erkenne ich HVO100 an der Tankstelle?

HVO100 und andere paraffinische Dieselkraftstoffe sind in Deutschland unter dem Kürzel XTL gekennzeichnet. Sowohl Zapfsäulen als auch Zapfpistolen tragen diese Kennzeichnung.

Wie hoch ist die CO2-Einsparung bei HVO100 im Reisebus?

Auf Fahrzeugebene liegt die Treibhausgasminderung bei bis zu 87 Prozent gegenüber fossilem Diesel. Diese Einsparung wird über den gesamten Lebenszyklus des Kraftstoffs berechnet, von der Rohstoffgewinnung bis zur Verbrennung.

Ist HVO100 teurer als normaler Diesel?

Im Frühjahr 2026 lag der Aufpreis bei 8 bis 20 Cent pro Liter. Da HVO100 von der CO2-Abgabe befreit ist (die 2026 je nach CO2-Zertifikatspreis etwa 17 bis 20 Cent pro Liter beträgt), ist der effektive Preisunterschied für Unternehmen mit CO2-Kalkulation deutlich geringer.

Wann werden Reisebusunternehmen HVO100 regulär einsetzen können?

Das BMDV hat signalisiert, die Erweiterung der Freigabe für private Busflotten in der nächsten Novellierung der 10. BImSchV zu prüfen. Ein konkreter Zeitplan liegt nicht vor. Der bdo und seine Kampagnenpartner drängen auf eine rasche Umsetzung.

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